Auswandern nach Thailand – Ein Leben im Paradies?

Immer wieder treffe ich auf meinen Reisen Menschen, die einfach beschlossen haben nicht wieder zurückzukehren. Manche sind abgestürzt und fristen ein Dasein am unteren Ende des Existenzminimums, einige verbringen ihren wohlverdienten Lebensabend im Paradies und wieder andere haben es geschafft sich erfolgreich in ihre neue Wahlheimat zu integrieren und ihren persönlichen Traum zu leben.

 

Erfolgreich Auswandern nach Thailand – Interview mit einem Experten

PhuketasticFamilySebastian Prestele von Phuketastic.com gehört definitiv zu dem kleinen Personenkreis, der es definitiv geschafft hat. 2004 kam es ganz anders als erwartet und Thailand hatte ihn in seinen Bann gezogen. Inzwischen lebt er mit seiner Familie dort und spricht die Landessprache fließend. Mit Kultur und Gegebenheiten ist er bestens vertraut. Das Auswandern nach Thailand hat er bis heute nicht bereut und Phuket gehört zu seinem Spezialgebiet.

Deshalb freue ich mich sehr, ihn hier interviewen zu dürfen. Vielleicht schaffen Sebastian und ich es mit diesem Interview, andere für ihr Vorhaben ebenfalls zu motivieren und eine kleine Stütze für potenzielle Auswanderer zu sein. Aber lest diese tolle Geschichte doch einfach selbst…

 

-Sebastian du lebst nun schon seit einigen Jahren in Thailand. Kannst du uns berichten, was dich damals dazu bewegt hatte, Deutschland den Rücken zu kehren?

Ich wollte schon als Kind und Jugendlicher immer ins Ausland gehen, um dort zu leben. Genau kann ich gar nicht sagen warum, aber es war eine gewisse Sehnsucht nach Abwechslung.
Als ich im Jahr 2000 mit dem Tauchen anfing war mir klar, dass mein Weg als Tauchlehrer ins Ausland führt. Und so war es dann auch als ich 2004 nach Thailand ging, um dort als Tauchlehrer zu arbeiten.

 

-Was sagten Familie, Freunde und Verwandte zu deinem Entschluss auszuwandern? Und wie bist Du damit umgegangen?

Das reichte von schön, dass du diese Erfahrung machst bis hin zu vollkommenem Unverständnis. Aber letztlich musste jeder mit dieser Entscheidung leben und es so akzeptieren. Es ist ja mein Leben und darüber entscheide in letzter Instanz immer ich.

 

-Tauchlehrer hättest du beinahe überall auf der Welt werden können. Wie oft warst du zuvor in Thailand bevor du dich entschlossen hast, ein komplett neues Leben dort aufzubauen.

Ich ging im Oktober 2004 das erste mal als Tauchlehrer nach Phuket und wollte zunächst 6 Monate bleiben, danach 3 Monate Südostasien bereisen und dann weiter in die Karibik. Doch schon nach kurzer Zeit stand fest, dass ich länger bleibe. Es gefiel mir einfach zu gut. Und so wurden aus Monaten, Jahre.

 

– Wow! Das ging ja fix. Es schien dich ja förmlich gepackt zu haben. Du hast also all deine Sicherheiten in Deutschland aufgegeben. Kannst du uns deine Umstände in Deutschland kurz beschreiben: Beruf, Lebenssituation usw.

Bei meiner ersten “Auswanderung” 2004 war das ganz einfach und ich musste dafür nicht viel aufgeben. Ich lebte noch bei meinen Eltern und hatte gerade meine Ausbildung zum Krankenpfleger abgeschlossen. 2 Tage nach dem offiziellen Ende der Ausbildung saß ich dann im Flieger nach Thailand.

Etwas anderes war es dann bei meiner zweiten Auswanderung, als ich 2011 von Thailand nach Deutschland zog und dann Anfang 2013 wiederum zurück nach Thailand. Denn inzwischen hatte ich mir in Thailand etwas aufgebaut, einen guten Job, war Ehemann und Vater.

 

-Deine Bedingungen schienen recht optimal zu sein. Trotzdem muss es dir doch schwer gefallen sein alles zurückzulassen und einen großen Schritt ins Ungewisse zu wagen?

Nein! Ganz und gar nicht. Es fiel mir nicht schwer, denn ich wollte ja schon immer weg und ausser Familie und Freunden habe ich nicht viel zurückgelassen. Und genau dieser Schritt ins Ungewisse war es auch, der mich letztendlich gereizt hat. Einfach mal schauen was passiert.

 

-Ungewissheit hin oder her. Geld zum Leben braucht man überall auf der Welt. Wahrscheinlich in Thailand umso mehr als anders wo. Wie hast du dich finanziell über Wasser gehalten? Gab es da für dich da schon von Anfang an konkrete Pläne?

Ja definitiv! Ich hatte von Anfang an einen Job in einer Tauchschule. In den ersten 6 Monaten war es eine Art Ausbildung gegen Mitarbeit, denn ich war noch kein zertifizierter Tauchlehrer. Ich bekam einen Mietkostenzuschuss von etwa 150 Euro und ab dem 4. Monat ein Taschengeld von 100 Euro. Der Rest wurde durch Gespartes und Kindergeld finanziert. Denn die Ausbildung zum Tauchlehrer wurde als Weiterbildung anerkannt 😉

Nach den ersten 6 Monaten gab es dann einen festen Job als Tauchlehrer mit einem Einstiegsgehalt von damals rund 500 Euro pro Monat für eine 6 Tage Woche.

 

-Alles schön und gut. So ganz ohne Hilfe geht es dann meistens doch nicht. Hattest du Freunde oder Unterstützer, die dir geholfen haben damals in Thailand Fuß zu fassen?

Durch die Arbeit in der Tauchschule hatte ich sehr schnell Kontakt zu anderen und wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Viele davon sind bis heute meine engsten Freunde, auch wenn wir mittlerweile in alle Welt verstreut leben.

 

-Das hört sich ja alles ganz interessant an und der Tauchlehrer-Lifestyle soll ja auch nicht der schlechteste sein… Trotzdem kann oder möchte nicht jeder Tauchen. Wie könnten andere Auswanderer noch an einen Job in Thailand kommen?

Arbeit in Thailand zu finden ist nicht einfach und es gibt nicht viele Stellen für Ausländer. Wer spezielle Kenntnisse mitbringt hat u.U. die Möglichkeit bei einer großen Firma in Bangkok im Management unterzukommen. Ansonsten sind die meisten Stellen in der Tourismusbranche zu finden. Aber auch Call Center suchen immer wieder ausländische Mitarbeiter in Thailand.Am besten ist es meiner Meinung nach Arbeit vor Ort zu suchen, Kontakte zu knüpfen und dann weiterempfohlen zu werden.

 

-So schön der Beruf des Tauchlehrers auch sein mag, die wenigsten bleiben ewig dabei. Womit hast du dein Geld in Thailand sonst noch verdient bzw. verdienst du dein Geld in Thailand jetzt?

Bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland 2011 war ich für einige Jahre im Vertrieb bei einer Handelsvertretung tätig und habe Vertriebsnetze für europäische Hersteller im Badbereich in ganz Asien aufgebaut. Anfang 2013 nach der Rückkehr aus Deutschland versuchte ich das Gleiche auf selbstständiger Basis, was leider nicht sonderlich erfolgreich war.

Mittlerweile lebe ich komplett von den Einnahmen aus meiner Webseite, meinen Reiseführern, darüber hinaus biete ich Reisedienstleistungen an und bin Anfang 2014 als Partner in die Firma eines Freundes eingestiegen, die Hochzeiten auf Phuket organisiert. Seit Mai habe ich diese Firma nun komplett übernommen.

 

-Endlich hast du mal deine Website erwähnt. Phuketastic.com ist äußerst erfolgreich und bietet seinen Lesern einen unglaublichen Mehrwert. Was hat dich dazu bewegt ein solches Projekt ins Leben zu rufen?

Mit Phuketastic will ich die umfangreichste Seite aufbauen, die es zum Thema Phuket gibt. Ich will Urlaubern Infos aus erster Hand geben und ihnen dabei helfen die vielfältigen Möglichkeiten zu nutzen, die Phuket bietet und einen genialen Urlaub zu erleben.

 

-So viel Freude so eine Website auch bereitet, umso schöner ist es natürlich, wenn sie auch etwas Geld abwirft. Kannst du von den Einnahmen inzwischen leben?

Aus den Einnahmen direkt von der Webseite könnte ich nicht leben. Aber in der Kombination aus Ebooks, Printbook, Blog und Reisedienstleistungen war das Einkommen während der Hochsaison hoch genug um meine Familie komplett davon ernähren zu können. Jetzt in der Nebensaison sind die Einnahmen wieder zurückgegangen was ich aber eingeplant habe. 

Da ich einen Puffer aufgebaut habe, meine Frau ebenfalls ein Einkommen hat und ich auch über die Hochzeiten etwas Geld verdiene können wir die Nebensaison also gut überbrücken.

 

-Deine Geschichte liest sich ja wie ein makelloser Traum. Leben im Paradies, gute Verdienste,  …
Gab es auch Momente in denen du alles hinwerfen wolltest?

Oh ja, die gab es nicht nur sondern die gibt es immer wieder. Zum Beispiel  jedes Mal, wenn ich mit der Korruption und staatlichen Willkür konfrontiert werde. In diesen Momenten stelle ich es dann schon in Frage, ob ich wirklich in einem Land leben möchte, dass außer an meinem Geld kein Interesse an mir hat. 

 

-Das hat sicherlich auch mit den strengen Gesetzen bzgl. Einwanderung und Arbeitsgenehmigung für Ausländer zu tun. Gibt oder gab es da Probleme für dich, oder ist das nur ein Mythos?

Ja, da gibt es ständig Probleme. Speziell das Thema Arbeitsgenehmigung ist eine Never ending story. Die damit verbunden Bürokratie und vor allem die Willkür ist einfach unglaublich. Die Behörden wollen einfach immer noch andere und neue Papiere. Es gibt andauernd Wartezeiten und die Beamten sind total korrupt und fordern für jeden Handstrich extra Geld.

Und selbst, wenn man eine Arbeitsgenehmigung hat ist man der Willkür der Polizei ausgesetzt, die versucht aus fadenscheinigen Gründen Verstöße gegen die Auflagen zu finden, um dann gegen Bestechung den Fall wieder zu schliessen.

Leider ist das auf Phuket besonders schlimm!

 

-Und trotzdem meisterst du diese Hürden immer wieder erfolgreich. Es ist also zu machen. Kannst du uns evtl. noch andere negativen Seiten nennen, die den gewöhnlichen Touristen definitiv verborgen bleiben?

Thailand ist, auch wenn es in vielen Bereichen oberflächlich recht modern aussieht, in Wirklichkeit ein sehr rückständiges 3. Weltland. Das zeigt sich in Korruption, unglaublicher Bürokratie, staatlicher Willkür, katastrophalen Sicherheitsstandards und Arbeitsgesetzen.

Auch der extreme Nationalismus und die Fremdenfeindlichkeit sind auf den ersten Blick für Fremde nicht zu spüren.

 

-Die positiven Aspekte müssen aber trotzdem deutlich überwiegen, sonst würdest du das nicht auf dich nehmen. Welchen Tipp kannst du anderen mit auf den Weg geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen nach Thailand auszuwandern?

Das tun sie! Trotzdem sollte man auf keinen Fall auswandern, ohne einen echten Plan zu haben womit man seinen Lebensunterhalt verdienen will. Denn wenn sich die Geldreserven dem Ende zuneigen, ist Thailand gnadenlos…

 

-Hoffentlich nehmen sich diesen Tipp einige zu Herzen. Welche Charaktereigenschaften sollte man deiner Meinung nach als Auswanderer in Thailand unbedingt mitbringen?

Neugierde, Offenheit und eine große Frustrationstoleranz

 

-Ich kann mir natürlich die Frage nach einer Rückkehr nach Deutschland nicht verkneifen. Ist Deutschland überhaupt noch eine Option für dich?

Auf jeden Fall! Meine Wunschvorstellung wären 50/50, aber das ist mit Kind natürlich schwierig. Somit werde ich mich in den nächsten 2-3 Jahren entscheiden müssen wo wir leben. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass es doch wieder Deutschland wird. 

 

-Zu guter letzt: Was vermisst du am meisten an deiner alten Heimat?

Die Berge. Den Frühling und die späten Sonnenuntergänge im Sommer.

 

-Sebastian, vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen. Ich bin mir sicher, dass du damit einigen weitergeholfen hast. Ich wünsche dir und deiner Familie auch weiterhin alle Gute und weiterhin viel Erfolg mit deiner Website und deinen Unternehmungen in Thailand.

Ich danke auch. Es war mir ein Vergnügen! Immer wieder gerne.

 


Phuketastic_Logo

Wer nun neugierig auf Phuketastic geworden ist, sollte unbedingt auf Sebastians Website Phuketastic vorbei schauen. Dort gibt es viele wertvolle Tipps über Phuket und ganz Thailand. Außerdem kann ich den Phuket-Reiseführer wärmstens empfehlen!

Jeder verkaufte Reiseführer macht einen weiteren Ausbau von Phuketastic möglich. Denn es bedarf sehr viel Zeit und Herzblut eine Website mit derartigem Informationsgehalt zu pflegen und aktuell zu halten.

Zum Reiseführer geht’s hier

www.phuketastic.com
www.phuketastic-travel.com
www.facebook.com/phuketastic

 

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 Auswandern nach Thailand? Habt ihr es vor oder sogar bereits getan? Kommentare sind wie immer erwünscht!

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