Der Hippie Trail: Die Wiege des Backpacking – Damals und heute

Die Geschichte des Hippie Trail: Der berühmte Hippie Trail war die Backpacking Reiseroute schlechthin. Unzählige Hippies zog es in den 1960er und 70er Jahren auf dieser bekannten Route gen Orient und kann heute somit getrost als die Wiege der Backpacking-Bewegung bezeichnet werden. Frei nach dem Motto: “High sein, frei sein, überall dabei sein”, wurde diese ursprüngliche und volksnahe Art des Reisens später zum Vorbild etlicher Rucksacktouristen aus aller Welt. Auch heute noch!

 

Die Geschichte des Hippie Trails – Überlandroute ins Backpacker Glück

Eine Tramperin auf der Suche nach der nächsten Mitfahrgelegenheit Photo CC by: Roger Mc Lassus

Eine Tramperin auf der Suche nach der nächsten Mitfahrgelegenheit

Als sich in den 1960er Jahren die Hippie Bewegung großem Zuspruch erfreute, machten sich nicht wenige auf, die Welt zu erkunden um sich dabei selbst zu finden. So brachen viele junge Leute oftmals direkt nach dem Schulabschluss gen Osten auf.

Jährlich befanden sich so ca.40000 Backpacker auf dem sogenannten Hippie Trail, welcher in Europa begann und sich Richtung Osten durch Länder wie den Iran, Afghanistan bis nach Indien, Nepal und Thailand schlängelte. Es entstand eine regelrechte Massenbewegung an Aussteigern, von denen viele zurückkehrten, einige lebenslang blieben und so manche ihr Leben ließen.

Hippie Trail

Der berühmte Hippie Trial: Landweg von Europa nach Asien

 

Die Fortbewegungsmittel waren sowohl einfach als auch günstig. Große Reisebudgets waren verpönt. Weniger war mehr und oftmals hatten die Reisenden nicht einmal genug Geld um sich anständig zu ernähren. So machten sich die meisten im berühmten VW-Bus von Europa aus auf den Weg. Nicht selten waren diese mit Backpackern bis obenhin regelrecht vollgestopft.

Sie investierten ihr letztes Hab und Gut in Benzin um ans Ziel zu gelangen und ein außergewöhnliches Abenteuer zu erleben. Auch Züge und Linienbusse sowie das Reisen per Anhalter waren ein probates Mittel um voranzukommen.

Hippie Trail WandbemalungDie erste Station auf der langen Reise der Rucksacktouristen war Istanbul. Dort war zur damaligen Zeit der Backpacker Treffpunkt schlechthin. Was heute die Khao San Road in Bangkok ist, war damals das Gebiet rund um den Pudding Shop in der Millionenmetropole am Bosporus.

Dieser war die Anlaufstelle für junge Leute und alle Abenteurer, welche das Tor nach Asien durchschreiten wollten. Hier wurde gegessen, getauscht, geredet und Kontakte geknüpft.

Die Busse in Richtung Iran fuhren direkt vor der Tür des Pudding Shops ab. Im Iran waren die damaligen Sicherheitskontrollen besonders streng und so mancher Hippie musste seinen Vorrat an alternativen Substanzen noch aus dem fahrenden Bus werfen, um den harten Strafen der iranischen Behörden zu entgehen.

Von dort aus ginge es weiter nach Teheran und dann schließlich nach Afghanistan. Von 1968 bis zum Militärputsch im Jahre 1978 galt das Land als ein besonders sicheres und friedliches Reiseziel und war mit seinen atemberaubenden Landschaften und der unberührten Natur äußerst beliebt bei den unzähligen Abenteurern und Backpackern.

Auch die Tatsache, dass es dort vermutlich das beste Haschisch der Welt zu kaufen gab, trug wohl seinen Teil zur Popularität Afghanistans bei. So faszinierten sich unglaublich viele Backpacker für Afghanistan und seine Hauptstadt Kabul und sorgten dadurch für die sogenannten goldenen Jahre sowie den Summer of Love.

Der Treffpunkt Nummer 1 in Kabul war die berühmte Chicken Street, welche zur damaligen Zeit durchaus als das Weltzentrum der Backpacker bezeichnet werden konnte. Im Allgemeinen war Kabul damals eine blühende und moderne Stadt, welche alle Annehmlichkeiten für Reisende bieten konnte. Besonders berüchtigt waren die ausschweifenden Partys im Green Hotel, wobei das hartnäckige Gerücht kursiert, dass 2 junge Reisende das ganze Gebäude während einer Feier in Brand steckten.

Genährt mit frischen Storys anderer Weltreisender zog der Treck in Richtung Indien weiter. Hier trennten sich die Wege auf. Viele reisten in Richtung Goa, andere nach Kathmandu in Nepal und manche nach Bangkok. Dabei hatte jedes Ziel seine eigenen Vorzüge.

Hippie Beach Hippie Trail

 

So war in Nepal bis zum Jahre 1973 der Handel mit Marihuana und Haschisch legal. Auch heute noch erinnert die “Freak Street” in Kathmandu an die vielen durchreisenden. In Goa hingegen war für viele die Endstation der Reise erreicht und das große Interesse am Hinduismus beeinflusste so manchen Reisenden. Nicht wenige suchten spirituelle Erfahrungen in Ashrams und blieben als Auswanderer in Orten wie Arambol oder Anjuna zurück. In Anjuna gilt der wöchentlich stattfindende “Hippie-Markt” auch heute noch als feste Institution und Überbleibsel des Hippie Trails.

 


Das Ende des Hippie Trails

Mit dem Militärputsch im Jahre 1978 und die darauf entstanden politischen Spannungen und Kriege in der Region brach der Tourismus vollständig ein. Generell hatte sich der Lebensstil gewandelt.

Karriere zu machen schien wieder in Mode gekommen zu sein. Der Hippie Trail verlor vollkommen an Bedeutung ist heute nur wenigen ein Begriff. Auch nachdem sich die Lage wieder beruhigt hatte, konnte der Hippie Trail nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Zu viel Leid und Zerstörung hatte in der Region Einzug gehalten und sie zunehmend für Backpacker uninteressant gemacht.

Hippie Trail Afghanistan Backpacking Route

Photo CC by Nordicshutter 

 


Der Hippie Trail heute

Langsam scheint sich wieder ansatzweise Tourismus in der Region anzusiedeln. Trotzdem zählen die meisten Länder in dieser Region zu den gefährlichsten auf der ganzen Welt. Afghanistan so sorglos wie damals zu bereisen, scheint heute an schieren Wahnsinn zu grenzen.

Doch wir werden sehen, was die Zukunft noch mit sich bringen wird und ob sich dieser wirklich schöne Teil der Erde wieder von den Strapazen des jahrelangen Kriegs erholen wird.

Wer trotzdem ein wenig Flair des legendären Hippie Trails spüren möchte, sollte den Pudding Shop in Istanbul aufsuchen. Dort sollen sich auch heute noch die ein oder anderen Hippies von damals herumtreiben, welche in gemeinsamen Erinnerungen der damaligen, schönen Zeit schwelgen.

Goa Bogmalo Beach Hippie Trail

 

  • Weitere Informationen zum Hippie Trail und ein Erfahrungsbericht aus damaligen Zeiten gibt’s hier

 

  • Der berühmte Puddingshop in Istanbul:
Adresse:
Divanyolu Caddesi No:6 Sultanahmet, 34400 Fatih/istanbul, Türkei
Telefon:
+90 212 522 2970
Öffnungszeiten:
Montag-Sonntag 06:30-23:00

 


Hippie Trail Doku:

 

Aruja Beach Hippie Trail Goa Indien Backpacking Route

Photo CC by Italo&Ana 

 

Wart ihr damals auf dem Hippie Trail unterwegs oder habt ihr in der Neuzeit eine ähnliche Reise unternommen? Hinterlasst doch einfach ein Kommentar weiter unten auf dieser Seite!

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7 Comments

  1. Sehr coole Zusammenfassung!
    Man wünschte sich fast, man hätte damals gelebt. Ich kenne nun schon einige der Stationen des Hippie Trails. Aber die Vorstellung, sich diese Länder Schritt für Schritt zu erarbeiten, ist einfach wundervoll.
    Selbst wenn man den Trail irgendwann mal wieder bereisen kann, die Erfahrungen der ersten Hippies damals sind in einer globalisierten Welt von heute leider nicht mehr zu wiederholen. Schade.
    Safe travels,
    Marco

  2. Sehr cooler Beitrag und danke für die Doku, war sehr interessant! Mein Freund ist gerade auf dem Trail unterwegs, mit dem 2CV aber nicht nach Indien wegen den politischen Konflikten in Afganistan/Pakistan ist ihm das zu gefährich, sonder nur bis in den Iran. Dort hat er Bekannte. Werde deinen Beitrag auf meinem Blog verlinken, wenn es ok ist, da ich am Donnerstag einen Post über Hippie Reiseziele veröffentlichen werde. Würde mich freuen wenn du vielleicht vorbei schaust 🙂

    Liebe Grüße
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

  3. Ja war damals auf dem hippie trail. angefangen feb. 1978 in richtung pudding shop. 5 tage in instanbul, dann mit publicv bus nach theren mashad, herat, kandahar, Kabul pakistan uber den kybher pass, lahor, amritsar, dehli, Poona, Goa.
    spaeter dann weiter nepal.
    angekommen in Indian bin ich am 29. marz 1978.

    habe ubrigens ein buch geschrieben, leider bis jetzt nur in englisch. Kann bei amzon als e book gekauft werden.
    title : One Life – A true Account

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